Kürzest-Geschichten
Sein Lächeln ähnelte einem Husten, und wenn er hustete, dachten die Leute, er würde lachen.
Dies brachte in einigen Situationen Probleme mit sich.
Bei regennassen Beerdigungen, wenn er husten mußte, erntete er böse Blicke; bei ernsten Diskussionen, wenn ihn ein Hustreiz befiel, frage man ihn, was an der Sache denn so komisch sei.
Er blickte verwundert in verständnislose Augen und fragte sein Leben lang, was eigentlich mit diesen Leuten bloß los sei?
Erzaehlungen
Blog-Archiv
Freitag, 27. November 2009
Verwünschung
Die Milchstraße lud zum Kaffeekränzchen ein, und alle waren sie gekommen, von dem zierlichen Pluto bis zu dem fetten Venus, und sie flogen in ihrem Kreisbahn um die Gastgeberin Sonne. Sie liebte es im Mittelpunkt (des Geschehens) zu stehen und strahlte (überglücklich ihre Gäste an.)
Der kleine Merkur fiepte die ganze Zeit. Im Klangrausch aus tiefem Grunzen, dumpfen Murmeln und einem brummenden Bass, hörte man ihn gelegentlich, störend grell (durch)tönen, doch sie ging in die Melodie des Krachs ein. Saturn grunzte verstört und fragte was der lästige Merkur denn wolle. Doch Merkur ignorierte ihn und versuchte verzweifelt sich Pluto bemerkbar zu machen, der sich heiter mit der Sopranistin Venus unterhielt, und gelegentlich in glucksende Laute ausbrach. Saturn stieß mit dem Ellenbogen den Ring der Venus an und ein kratzendes Schleifgeräusch ertönte und bohrte in den Zähnen, so dass alle kurz aufschrieen. In der Stille erklang Merkur: „Wieso sitzt du so weit weg, komm setzt dich zu mir, so können wir uns leichter unterhalten“, doch Pluto war gerade mächtig beim Anbaggern; so lies er ihn wie eine heiße Kartoffel fallen; fünf Lichtjahre Freundschaft in die Hose, wegen einer Frau.
Um die Erde drehte sich wieder der Mond, er hatte eine zuviel in der Krone; obwohl er sich bescheuert fühlte, trug er diesen blöden Papierhut, nur weil er so schön golden glänzte, und ihm Selbstbewußtsein einflößte. Seine ganzen fünf Milliarde Leben, die auf ihm rumkroch, rumflog und vegetierte und letztendlich auch starb, konnte ihm nicht das geben, was eine Papierkrone vermochte: Würde.
Keiner in der Runde beneidete ihn um seine Einwohner. Als er ihnen von dem Idealismus der Menschheit vorschwärmte, sagten diese nur verächtlich: „Halt deine Läuse bei dir. Wir wollen uns nichts holen.“ Als ob sie eine ansteckende Geschlechtskrankheit hätte! Sie hatten Filzläuse, doch nicht sie selbst; und sie wünschte ihnen allen einen sauerstofflose Dürre!
Der kleine Merkur fiepte die ganze Zeit. Im Klangrausch aus tiefem Grunzen, dumpfen Murmeln und einem brummenden Bass, hörte man ihn gelegentlich, störend grell (durch)tönen, doch sie ging in die Melodie des Krachs ein. Saturn grunzte verstört und fragte was der lästige Merkur denn wolle. Doch Merkur ignorierte ihn und versuchte verzweifelt sich Pluto bemerkbar zu machen, der sich heiter mit der Sopranistin Venus unterhielt, und gelegentlich in glucksende Laute ausbrach. Saturn stieß mit dem Ellenbogen den Ring der Venus an und ein kratzendes Schleifgeräusch ertönte und bohrte in den Zähnen, so dass alle kurz aufschrieen. In der Stille erklang Merkur: „Wieso sitzt du so weit weg, komm setzt dich zu mir, so können wir uns leichter unterhalten“, doch Pluto war gerade mächtig beim Anbaggern; so lies er ihn wie eine heiße Kartoffel fallen; fünf Lichtjahre Freundschaft in die Hose, wegen einer Frau.
Um die Erde drehte sich wieder der Mond, er hatte eine zuviel in der Krone; obwohl er sich bescheuert fühlte, trug er diesen blöden Papierhut, nur weil er so schön golden glänzte, und ihm Selbstbewußtsein einflößte. Seine ganzen fünf Milliarde Leben, die auf ihm rumkroch, rumflog und vegetierte und letztendlich auch starb, konnte ihm nicht das geben, was eine Papierkrone vermochte: Würde.
Keiner in der Runde beneidete ihn um seine Einwohner. Als er ihnen von dem Idealismus der Menschheit vorschwärmte, sagten diese nur verächtlich: „Halt deine Läuse bei dir. Wir wollen uns nichts holen.“ Als ob sie eine ansteckende Geschlechtskrankheit hätte! Sie hatten Filzläuse, doch nicht sie selbst; und sie wünschte ihnen allen einen sauerstofflose Dürre!
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Freitag, 16. Oktober 2009
Christa Wolf Nachempfunden III
Murx, war wieder zutiefst erschüttert, als sie begriff, dass sie mich wieder ungerecht beschuldigte, weil sie, wie einmal schon, mit mir nicht sprechen wollte, da sie damals dachte, ich hätte sie bei einem Spiel beleidigt, mit der Bemerkung, sie sei langweilig, was sich bei der Diskussion, wieso sie nicht mit mir spricht, herausstellte, dass sie fälschlicher Weise auf mich böse und ungerecht gekränkt war, weil sie ihr Gefühl, dass ich sie beleidigt habe, aus einem ihrer Träume herausgeschleppt und mir angehängt hatte.
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Christa Wolf Nachempfunden II
Endlich nach so langer Zeit, wieder mein Körper.
Wieder die schwäche für einen Menschen, ganz.
Wie er mich anging.
Ich schloss, nicht antwortend, die Augen, vor Schmerz.
Wieder durch mein Inneres, ein Stich.
Wie? Ob ich denn glaubte, er, Joe, hätte mehr Männer geliebt, als die Heerführerin der Amazonen?
Ja, noch mehr, nach meiner Trennung, um sich zu rächen.
Jedoch wurde es zu der Ohnmacht der Liebenden, die stumm, einander meinen Namen zuflüsternd, das Bett zerwühlten.
Wer wird, und wann, mein Geschlecht wiederfinden?
Einer, dem die Geilheit, den Arsch zernagt, wird es sein.
...und bis dahin, bis zur unserer Verschmelzung, nur das Gestöhne und das Gewinsel, die seelenlose Liebe zweier erloschener Körper, die sich aussaugen wollend küssen, doch nichts finden, als die Grässlichkeit der Leere, einer ausgebrannten Seele; und röchelnd befingern sie sich.
Alles Liebenswürdige, das ihre Seele zum Knospen bringen kann, wird sich vor ihren Augen abspielen, und sie werden nichts sehen. Auch, wenn ich sie anstosse, und ihre Arme zu der Gebärde hochreisse, bei der man die Erkenntnis aufnehmen kann, werden sie nicht sehen. So sind sie eben.
Wieder die schwäche für einen Menschen, ganz.
Wie er mich anging.
Ich schloss, nicht antwortend, die Augen, vor Schmerz.
Wieder durch mein Inneres, ein Stich.
Wie? Ob ich denn glaubte, er, Joe, hätte mehr Männer geliebt, als die Heerführerin der Amazonen?
Ja, noch mehr, nach meiner Trennung, um sich zu rächen.
Jedoch wurde es zu der Ohnmacht der Liebenden, die stumm, einander meinen Namen zuflüsternd, das Bett zerwühlten.
Wer wird, und wann, mein Geschlecht wiederfinden?
Einer, dem die Geilheit, den Arsch zernagt, wird es sein.
...und bis dahin, bis zur unserer Verschmelzung, nur das Gestöhne und das Gewinsel, die seelenlose Liebe zweier erloschener Körper, die sich aussaugen wollend küssen, doch nichts finden, als die Grässlichkeit der Leere, einer ausgebrannten Seele; und röchelnd befingern sie sich.
Alles Liebenswürdige, das ihre Seele zum Knospen bringen kann, wird sich vor ihren Augen abspielen, und sie werden nichts sehen. Auch, wenn ich sie anstosse, und ihre Arme zu der Gebärde hochreisse, bei der man die Erkenntnis aufnehmen kann, werden sie nicht sehen. So sind sie eben.
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Christa Wolf Nachempfunden
So wich ich zurück; entzog mich, wie immer schon, den Blicken der Leute, damit sie mich nicht ansprechten, was mir klar machen würde, dass ich nicht unsichtbar war oder dass sie nicht, jenseits des Sichtbaren Gesehene sind, sondern echte Erscheinungen, dessen Fleisch, das Lied der Vergangenheit summte, nicht aus verklärter Entzückung, wie bei mir, sondern fähig ein Kanon mit Freunden zu singen, in dessen Lied ich mich entsag einzutreten, aus Angst, Fleischlichkeit zu spüren, dessen Begehren mich zu Gesten, die mein Schamgefühl verletzten, treiben würde.
[S.25 Kassandra/ entzog mich, wie lange noch, den Berührungen der wirklichen Leute,...]
[S.25 Kassandra/ entzog mich, wie lange noch, den Berührungen der wirklichen Leute,...]
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Sonntag, 11. Oktober 2009
Einsamkeit
Suchst du die Einsamkeit in dir, so verzweifelst Du niemanden dort zu treffen.
Doch sie lungert auf der Straße, spiegelt sich in den Regenpfützen auf den Pflastersteinen, glänzt auf den Gläsern, die zu zitternden Lippen geführt werden. Sie klebt an Wänden. Einsamkeit ist kein Gefühl. Sie ist ein Zustand. Ein Gegenstand, der in Bahnhofcafés steht, wie ein vergessener Regenschirm, den sich einer nimmt, weil es gerade regnet..
Und er nimmt ihn mit, mit nach Hause, die Einsamkeit, und setzt ihn ab, in seine Wohnung; und sie dringt in ihn ein. Draußen sitzt die Einsamkeit als Eisblock auf Barstühlen, und die Menschen versuchen sie durch ihre Stimmen zum Schmelzen zu bringen, doch sind sie ihm nicht nah genug. Seine Kälte wirkt von der Ferne, und sie meinen, sie sitze ihnen im Fleisch.
Nein: Die Einsamkeit ist da draußen im Raum, und ist ohne uns existent, doch wir denken sie bräuchte uns und reichen ihr die Hand, anstatt die Hand, dem nächsten, warmen Hand zu reichen.
Denn, wer hindert uns daran die Hand, dem nächsten, warmen Hand zu reichen, als unsere vergebene Hand, welche die Einsamkeit packt?
Donnerstag, 22. 02. 2001
Honeymoon oder Liebe auf dem ersten Blick
Ich will endlich heiraten.
Deshalb gab ich eine Anzeige auf:
“Stehst Du auch so auf junges Gemüse wie ich? Laß uns diese Früchte gemeinsam genießen. Komm sei mein Kürbis!”
Doch leider bekam ich keine Antwort. War niemand da Draußen, der meine Interessen teilte?
Ich ging raus, um die Sache in die eigene Hand zu nehmen. Melancholisch im Zimmer zu sinnieren und nach einer Seele zu schmachten brachte nichts.
Also schlenderte ich auf den übervölkerten Einkaufstraßen der Großstadt und stierte in die Augen wohlgeformter Körper, in der Hoffnung bald an deren salzigen Haut zu saugen. Ich merkte nach einer langen Besichtigungstour, daß meine Augen an den Schuhen der Damen haftete. Ich sah hochhackige Frauenschuhe, hochhackige Lackschuhe, an den Waden geschnürte, hochhackige Schuhe...
Das kann doch nicht sein wonach ich suche, sagte ich zu mir.
Und mußte an meine Kindheitssünde denken, wie ich ein Damenmuff vergewaltigte, und mit einer kurzandauernden Reue davonlief, nachdem ich ihn verhunzt hatte. Als die Dame dann ihre jasminriechenden alabastart Hände in den Muff steckte und merkte, daß jenes besudelt war, bekam sie einen Schreikrampf. Jeder stürmte sich auf sie. Das Verbrechen wurde eingehend geprüft, und die Schuld wurde den Katzenjungen zugewiesen. Wirklich, sie merkten nicht das geringste.
Nun, war es jetzt wieder soweit, daß ich etwas Lebloses brauchte? Ich dachte, ich sei darüber hinaus. O.K., als Kind war das in Ordnung, wie ich damals sehr wild und ungestüm war. Ein menschlicher Körper hätte meine Attacken wohl nicht ausgehalten; die leblosen Dinge hingegen zeigten Widerstand und sie hielten dicht. Nie haben sie meine Sünden verraten. Ich verehre solche schweigsame Liebhaber. Was ich für wilde Abenteuer mit hochhackigen Damenschuhen und weichen Moccasinns erlebt habe. Einigemale wäre ich fast Inflagranti erwischt (worden).Da meine Angebeteten das Geheimnis für sich behielten, hat keiner etwas gemerkt, und ich bin ohne Strafe davongekommen.
Nun sitze ich hier im Café - mittlerweile habe ich mir bei einer Tasse Kaffee bequem gemacht - und starre diese ausgefransten, ausgeleierten, abgetragenen, stinkenden Sportschuhe an, und ich merke, wie jenes Gefühl aus meiner Kindheit hochkommt. Muß das gerade jetzt sein!? Wie der enge Jeans jetzt drückt und er dagegen pocht ist echt... sichtbar!
Das ist ja etwas ganz neues, ein Sportschuh!
Vielleicht bin ich auf eine Affäre mit einem dreckigen Sportschuh aus?
Vielleicht ist das, wonach sich meine Seele sehnt und meine Poren sich dazu erweitern.
Meine Nasenflügel vibrieren. Ich sauge den Duft in mich. Am liebsten wäre ich hin gestürzt und hätte den Schuh von ihren Füßen entrissen. Ich überlege, ob ich sie vielleicht ganz freundlich darum bitte mir die Schuhe zu überlassen, mit einer geringen Entschädigung natürlich. Ich rutsche auf dem Stuhl hin und her, suche in meiner Hosentasche nach einem äußerst wichtigen Gegenstand. Dabei lege ich den Störenfried flach. So kann er nicht mehr länger Unruhe stiften. Aber eitel wie er ist, zeichnet sich seine volle Größe am Stoff durch. Das heißt wohl, vom Regen in die Traufe kommen. Ich verschränke salopp meine Hände vor meinem Schoß und versuche meine roten Ohren zu verstecken, indem ich ganz cool durch meine Haare streiche. Als ich mich im Panoramaspiegel erfasse, seh ich einen Mann, der bucklig dasitzt, seinen linken Arm auf seinem Schoß gepreßt hält, während seine rechte Hand an seinen Haaren rumfuchtelt.
Prompt stehe ich auf. Reiß mein Hemd aus der Hose und stelze mit schnellen Schritten aus dem Raum.
Doch ein Gefühl hat sich in mein Herz eingenistet und sekretiert eine warme Gelatine, die auf dem Membran meiner Organe krabbelt. Oh, dieses Kribbeln! Ein warmer Dampf steigt meinen Kragen hoch.
Wie ein aufgescheuchtes Huhn hetzte ich in der Einkaufspassage; stehe großäugig mal vor jenem mal vor diesem Schaufenster, stiere mit leeren Augen hinein, und versuche interessiert und erstaunt zugleich dreinzublicken, zumindestens den Eindruck zu erwecken.
Doch ich habe keine Ruhe.
Ich geh in eine diese x-stöckigen Wunderwelten hinein, dessen jedes Stockwerk ein Reich für sich ist. Jede umherirrende Seele findet hier ein passendes Ich-brauch-es-nicht-aber-ich-muß-es-kaufen-Produkt für sein medienmanipuliertes Herzchen.
Ich bewundere die schillernden Töpfe und Pfannen, heb mal das mal dies mal jenes oder das andre Teil, wiege sie, inspiziere sie, schneide Grimassen und leg sie wieder zurück mit einem Geplärr der Leute. O je, die schöne Pyramide! Tja.
Ich befühle die ganzen Stoffe der Kleider, ob einer mir zusagt. Nein, sie sind alle nicht mein Stil.
Ich bummele und schlendere so vor mich her, und habe dieses Gefühl grad vergessen, da komme ich doch in die Spielzeugabteilung.
Dann er blicke ich ihn! Als ich dieses Wesen sehe, überkommt mich dieses Gefühl wieder in zehnfacher Wucht. Krawummm!
Es heißt doch, wenn die magnetische Wärme zweier Herzen gleichartig sind, ziehen sie sich an. Es ist ein Magnetstrom von Blut zu Blut von Körpern derselben Substanz.
Genau diese Anziehung übt diese Ware auf mich aus. Sie ist ein neonpinker SLIMY in einer neonpinken Dose. Sie räkelt sich so verführerisch auf dem Regal und zieht mich magisch zu sich. Ich habe mein Pendant gefunden. Während ich zu ihm lustwandle, blinzelt mir von dem Haufen reduzierter Stofftiere ein Plüschhase zu, und ich merke, wie sich mein Gesicht verzieht. Eine Verkäuferin lächelt freundlich zu mir rüber; ich grinse bitter blöd zurück. Wenn sie wüßte, woran ich gerade denke, würde sie ihre Freundlichkeit sehr schnell verlieren. Als Baby hatte ich mal einen Plüschhasen, den ich vollsabberte und innig liebte; als Jugendlicher habe ich ihn auch geliebt, aber anders besabbert. Ich hab ihn immer noch.
Jetzt steh ich direkt vor meiner neonpinken SLIMY, und das erste was ich jetzt tun werde ist: den Deckel öffnen und meinen... Finger reinstecken.
Ooh! Pfft! Was? Pfrzt! Diese Geräusche sind etwas Besonderes. Wlak! Wlok! Ich dachte ich könnte nie wieder dieses Gefühl erleben. Uie! Jaaah. Garp! Garp!
Oh Ansprüche hat er auch noch. Garp, Garp!
O.K. heute Abend lese ich dir etwas vor, aus “Garp und wie er die Welt sah”. Örk! Aber vorher müssen wir heiraten. Aah! Oh je was will die denn!?
- Entschuldigung! Sie können die Waren nicht einfach öffnen. Wo kämen wir dahin, wenn jeder die Verpackung aufreißt! Was machen sie da eigentlich?
Ihre Freundlichkeit schien Flügel bekommen zu haben und weggeflogen zu sein. Wo habe ich bloß mein rotes Taschentuch? Soll ich ihr nun sagen, daß ich mich hier aufgeile und kurz vor einem Orgasmus stehe? Uh! Fropf!
-Ich überprüfe die Liquiditätskonsistenz der Ware. Diese Sachen trocknen allzu schnell aus, wenn sie ach so lang hier im Laden rumstehen. Sie wollen doch meinem Kind nicht zumuten mit einem ausgetrockneten SLIMY zu spielen, der weder glibberig ist, noch Pupsgeräusche von sich gibt, wenn man’s in seinem Behälter rumdrückt. Ich kaufe nichts, was ich nicht begutachte.
Pfouirtz! Wrob, Blob! Wloak!
-Hören Sie? Der hat die richtige Konsistenz der Glibberigkeit. Packen sie’s mir ein. Er hat den Furz-Test bestanden. Ich kaufe ihn.
Ich wischte meine Hand am Rand der Dose ab und blickte ernst in die erloschenen, überrumpelten Augen der Verkäuferin, die ihr Mund schloß und mit zusammengepreßten Lippen, mit dem SLIMY zur Kasse tapste. Ich zupfte mein Hemd zurecht und hopste siegreich hinter ihr her. So muß man sein: Schuldig und stark. Man muß den Anderen einfach plattreden.
-Entschuldigen Sie, aber ich wußte nicht, daß sie die Ware überprüften. Ich dachte sie wären ein Perverser, der damit komische Geräusche produziert und sich davon aufgeilt. So stehen also die Dinge. Entschuldigen Sie nochmals.
Wenn sie wüßte, was da noch anderes stand. Ich zahlte und stolzierte mit eisernem Gesicht davon, während mein Herz jauchzte und ich innerlich jodelte und schuhplattlerte.
Ich hatte mich verlobt und an der Kasse gaben wir uns das Jawort. Heute abend werde ich den honigsüßen Mond anheulen. Vor uns lagen Flitterjahre ohne Ende. War ich ein Glückspilz. Ich hatte die Frau meines Lebens gefunden. Ich würde sie lieben, bis sie austrocknete; wenn sie nicht vorher wegdampfte.
Daß ich das erleben würde, hätte ich nicht mal zu träumen gewagt. Ich dachte immer, Liebe auf dem ersten Blick sei ein Mythos.
Nun hat es mich auch erwischt. Kramwumm! Einfach so. Mann!
Wröak!
Freitag, 15. Oktober. 1999
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