Suchst du die Einsamkeit in dir, so verzweifelst Du niemanden dort zu treffen.
Doch sie lungert auf der Straße, spiegelt sich in den Regenpfützen auf den Pflastersteinen, glänzt auf den Gläsern, die zu zitternden Lippen geführt werden. Sie klebt an Wänden. Einsamkeit ist kein Gefühl. Sie ist ein Zustand. Ein Gegenstand, der in Bahnhofcafés steht, wie ein vergessener Regenschirm, den sich einer nimmt, weil es gerade regnet..
Und er nimmt ihn mit, mit nach Hause, die Einsamkeit, und setzt ihn ab, in seine Wohnung; und sie dringt in ihn ein. Draußen sitzt die Einsamkeit als Eisblock auf Barstühlen, und die Menschen versuchen sie durch ihre Stimmen zum Schmelzen zu bringen, doch sind sie ihm nicht nah genug. Seine Kälte wirkt von der Ferne, und sie meinen, sie sitze ihnen im Fleisch.
Nein: Die Einsamkeit ist da draußen im Raum, und ist ohne uns existent, doch wir denken sie bräuchte uns und reichen ihr die Hand, anstatt die Hand, dem nächsten, warmen Hand zu reichen.
Denn, wer hindert uns daran die Hand, dem nächsten, warmen Hand zu reichen, als unsere vergebene Hand, welche die Einsamkeit packt?
Donnerstag, 22. 02. 2001
