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Freitag, 16. Oktober 2009

Christa Wolf Nachempfunden III

Murx, war wieder zutiefst erschüttert, als sie begriff, dass sie mich wieder ungerecht beschuldigte, weil sie, wie einmal schon, mit mir nicht sprechen wollte, da sie damals dachte, ich hätte sie bei einem Spiel beleidigt, mit der Bemerkung, sie sei langweilig, was sich bei der Diskussion, wieso sie nicht mit mir spricht, herausstellte, dass sie fälschlicher Weise auf mich böse und ungerecht gekränkt war, weil sie ihr Gefühl, dass ich sie beleidigt habe, aus einem ihrer Träume herausgeschleppt und mir angehängt hatte.

Christa Wolf Nachempfunden II

Endlich nach so langer Zeit, wieder mein Körper.
Wieder die schwäche für einen Menschen, ganz.
Wie er mich anging.
Ich schloss, nicht antwortend, die Augen, vor Schmerz.
Wieder durch mein Inneres, ein Stich.
Wie? Ob ich denn glaubte, er, Joe, hätte mehr Männer geliebt, als die Heerführerin der Amazonen?
Ja, noch mehr, nach meiner Trennung, um sich zu rächen.
Jedoch wurde es zu der Ohnmacht der Liebenden, die stumm, einander meinen Namen zuflüsternd, das Bett zerwühlten.
Wer wird, und wann, mein Geschlecht wiederfinden?
Einer, dem die Geilheit, den Arsch zernagt, wird es sein.
...und bis dahin, bis zur unserer Verschmelzung, nur das Gestöhne und das Gewinsel, die seelenlose Liebe zweier erloschener Körper, die sich aussaugen wollend küssen, doch nichts finden, als die Grässlichkeit der Leere, einer ausgebrannten Seele; und röchelnd befingern sie sich.
Alles Liebenswürdige, das ihre Seele zum Knospen bringen kann, wird sich vor ihren Augen abspielen, und sie werden nichts sehen. Auch, wenn ich sie anstosse, und ihre Arme zu der Gebärde hochreisse, bei der man die Erkenntnis aufnehmen kann, werden sie nicht sehen. So sind sie eben.

Christa Wolf Nachempfunden

So wich ich zurück; entzog mich, wie immer schon, den Blicken der Leute, damit sie mich nicht ansprechten, was mir klar machen würde, dass ich nicht unsichtbar war oder dass sie nicht, jenseits des Sichtbaren Gesehene sind, sondern echte Erscheinungen, dessen Fleisch, das Lied der Vergangenheit summte, nicht aus verklärter Entzückung, wie bei mir, sondern fähig ein Kanon mit Freunden zu singen, in dessen Lied ich mich entsag einzutreten, aus Angst, Fleischlichkeit zu spüren, dessen Begehren mich zu Gesten, die mein Schamgefühl verletzten, treiben würde.

[S.25 Kassandra/  entzog mich, wie lange noch, den Berührungen der wirklichen Leute,...]

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